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Donnerstag, 20. Juni 2013

Rezension ~ Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit

Allgemeine Informationen zum Roman

Titel: Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit
Autor: Maggie Shipstead
Taschenbuch: 440 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Ersterscheinung: 1. Mai 2013
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423249676
ISBN-13: 978-3423249676
Originaltitel: Seating Arrangements
Genre: Gegenwartsliteratur

 

Über die Autorin

© Alisha &. Brook Photographers
Maggie Shipstead wurde 1983 in Mission Viejo, California, geboren und studierte von 2002 bis 2005 Amerikanische Literatur in Harvard. Erst im Alter von achtzehn Jahren, während ihres Studiums, kam sie erstmals mit der amerikanischen Ostküste in Berührung. Anschließend besuchte sie den berühmten Iowa Writers' Workshop, wo Zadie Smith sie unterrichtete. 2008 schloss sie mit einem Master of Fine Arts ab. Von 2009 bis 2011 hatte sie ein Stegner-Fellowship in fiction writing an der Stanford University inne.


Inhaltsangabe/Klappentext

Winn van Meter hielt sich immer an die Regeln bürgerlichen Lebens. Mit einem Harvard-Abschluss, einer Mitgliedschaft in den richtigen Clubs, einer Ehefrau mit Herkunftsnachweis und einem angemessen bescheidenen Sommerhaus am Atlantik auf einer der vornehmen Ostküsten-Inseln, ging er davon aus, er werde seinem 60. Geburtstag mit der Gelassenheit eines Mannes entgegensehen, der gut gelebt und sein Leben im Griff hat.

Dummerweise kooperieren weder die Vorsehung noch die Familie. Daphne, seine ältere Tochter, schwanger und uneinsichtig, beabsichtigt zu heiraten. Seine jüngere Tochter Livia muss sich von einem Nervenzusammenbruch erholen, und Winn wird feststellen, dass er, entgegen guter Vorsätze, noch immer verrückt nach einer von Daphnes Freundinnen ist, die, jetzt als Brautjungfer, einiges daransetzt, seine Selbsteinschätzung als anständiger Bürger und Familienvater zu unterlaufen...



Rezension/Meinung

Eigentlich sind Bücher, die eher nur sehr wenig Handlung haben nicht wirklich etwas für mich, da ich doch schon sehr viel Wert auf eine gute Handlung lege und doch muss ich zugeben, dass ich diesen Roman, der sich eigentlich nur über einen Zeitraum von eigentlich zwei Tagen und einem kleinen Stück des dritten Tages erstreckt, irgendwie interessant fand.

Es ist nicht mal so, dass in diesem Zeitraum wenig passiert, sondern ehr doch recht viel, wenn auch eher fast schon alltägliches und das trotzdem auf über 400 Seiten, was für manchen sicher langweilig klingen mag. Jedoch punktet das Buch vor allen Dingen dadurch, dass man die Charaktere in ihren Persönlichkeiten sehr gut kennenlernt. Winn der sehr pedantisch, ruhig und auf seine Außenwirkung bedacht wirkt, der jedoch seine Jugend durchaus sehr ausgenutzt hat und gegen seine jetzige Art extrem wild war und scheinbar deutlich mehr Frauen hatte, als man an seinen Händen abzählen kann. Dann seine Frau Biddy, die ich so weit sehr interessant finde, da sie von vorn herein davon ausging, als sie heiratete, dass kein Mann treu sein kann, aber man solange es nicht nach außen dringt, auch einfach darüber hinweg sehen könne. Ihre beiden Töchter Livia und Daphne, die vollkommen unterschiedlich sind, wobei trotzdem es alles um Daphnes Hochzeit geht, diese scheinbar eine der unwichtigeren Nebenrollen zugewiesen bekommt und Livia viel stärker im Mittelpunkt der Erzählung steht. Dazu noch die ganzen Bekannten und Verwandten, die zur Hochzeit kommen, bei denen vor allen Dingen die Brüder des Bräutigams herausstechen, wie auch Agatha und Dominique, zwei Freundinnen der Braut.

Vor allen die greifbare, aber doch eher unterschwellige sexuelle Spannung, die sich zwischen den unterschiedlichsten Charakteren aufbaut, deren teilweise sehr seltsames Verhalten, was aber im Zusammenspielt mit der gezeichneten Persönlichkeit, die immer wieder durch kleinere Erinnerungssequenzen an ihre Vergangenheit untermauert wird, einfach sehr stimmig wirkt, machen das Buch alles andere als langweilig und das, obwohl nichts wirklich großartig besonderes passiert, weil man sich schon durchaus vorstellen kann, dass auch in der Realität manche Menschen ein solches Verhalten aufweisen.

Besonders gut dabei dargestellt, fand ich, diesen leichten versnobten Aspekt an den Familien, der in so vielen Kleinigkeiten immer wieder sehr zu Tage tritt, so dass man ihn einfach spürt und merkt, wie sehr er auch den Charakter der einzelnen Personen bestimmt und vor allen Dingen an Winn und seiner starken liebe für irgendwelche Clubs, ist dieser Aspekt einfach so stark spürbar. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich diese Clubstrukturen, die ja eher ein sehr englisches Phänomen sind, dass wohl auch mit in die USA geschwappt ist, mir durchaus weiterhin rätselhaft blieb.

Nur den Titel, den verstehe ich bis jetzt nicht und ich frage mich mal wieder ehrlich, warum man nicht den englischen direkt übersetzt hat, denn auch, wenn er vielleicht weniger plakativ geklungen hätte, passt »Seating Arrangements« einfach zu gut zu diesem Roman, da sie subtil einfach auf die zwischenmenschlichen Beziehungen anspielt, die in diesem Roman so wichtig sind, denn ohne diese, wäre die Geschichte einfach stinklangweilig.

Ein mal ganz anders Buch, das überraschend gut war, da ich ehrlich eher mit sehr dröger Unterhaltung gerechnet habe, aber irgendwie brachte es mich dazu immer weiter zu lesen, auch wenn ich am Anfang ehrlich gedacht habe: »Das ist sehr seltsam, aber irgendwie muss ich trotzdem immer weiter lesen, weil es irgendwie interessant ist...«. 


Fazit

Kommentare:

  1. Klingt nicht wahnsinnig spannend, aber für zwischendurch mal ganz nett. Aber was genau muss man sich unter einer "Ehefrau mit Herkunftsnachweis" vorstellen?

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    1. Ich würde sagen, dass man auch wirklich und nachweislich aus den gehobenen Kreisen kommt :D Sind alle recht versnobt in dem Buch ;o)

      Liebe Grüße,
      Themis ^.^v

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