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Freitag, 13. März 2015

Rezension ~ Gang nach Canossa

Allgemeine Informationen zum Buch


Titel: Gang nach Canossa
Autor: Dennis Gastmann
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Berlin
Ersterscheinung: 9. November 2012
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3871347442
ISBN-13: 978-3871347443
Genre: Reisebericht



Über den Autor

Dennis Gastmann, Jahrgang 1978, studierte Politik und Journalistik in Hamburg, volontierte im NDR und stieg danach als Autor bei der Satiresendung Extra 3 ein. 2009 erhielt er den Journalistenpreis Goldener Prometheus als „Bester Newcomer“. Seither reist er als Weltreporter für das NDR-Auslandsmagazin "Weltbilder" um den Globus. Seine Fernsehserie „Mit 80.000 Fragen um die Welt“ war 2010 für den Grimme-Preis nominiert und wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet - unter anderem mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten.


Inhaltsangabe/Klappentext

Wir schreiben das Jahr 2012: Die Wirtschaft ist am Ende, das Klima kaputt, bald soll auch noch die Welt untergehen, und in einem kleinen Apartment im Herzen Hamburgs schnürt ein blonder Reisereporter seinen Rucksack. Sein Ziel: Die eigenen Sünden büßen und Mutter Erde ein wenig besser machen. Sein Problem: Dafür muss er über die Alpen. Zu Fuß. Fast eintausend Jahre nach Heinrich IV. tritt wieder ein Deutscher den legendären Weg nach Canossa an. Natürlich auch, weil es dort so tolle Tortellini geben soll. Dennis Gastmann führt uns auf seiner ungewöhnlichen Pilgerreise von einer Grenzerfahrung in die nächste: In Osnabrück lässt er sich von einem Orakel die Zukunft vorhersagen, im Rothaargebirge trifft er NVA-Veteranen, in Frankfurt wagt er sich aufs Börsenparkett, in der pfälzischen Provinz begibt er sich auf eine „spirituelle Nachtwanderung“, im Dom zu Speyer legt er die erste Beichte seines Lebens ab (und lügt dabei), in Besançon, der Stadt der falschen Brustimplantate, übernachtet er, bevor ihn der Weg auf die schmutzigen Spuren Uwe Barschels im Genfer Luxushotel „Beau Rivage“ führt und – nach tausend Kilometern – in die einsamen Berghütten des Schweizer Mont Cenis. Ein mitreißendes Reise- und Abenteuerbuch – und ein großartiges Lesevergnügen!


Rezension/Meinung

Ab und an fallen mir ja auch solche Berichte über reale Aktionen in die Hand, wie auch dieses Buch, das sich vom Standard der Berichte über eine Pilgerreise vor allen Dingen daher abhebt, dass es sich nicht um den Jakobsweg handelt der beschritten werden soll, sondern um eine vollkommen andere Route.

Seit Hape Kerkelings Buch “Ich bin dann mal weg” scheint sowohl das Pilgern, als auch das Berichten über diese Reise in Buchform, sehr in Mode gekommen zu sein und auf dem Markt erschienen immer mehr Bücher in diese Richtung. Dieses hier fand ich vor allen daher auch interessant, da es mal ein wenig anders wirkte, zum einen ist der Autor Reisereporter, zum anderen wählt er nicht, wie so gut wie jeder den Jakobsweg, sondern macht sich einfach, wie in der Geschichte schon einmal passiert, auf den Weg nach Canossa. Allein schon durch diese vollkommen andere Reiseroute, die auch nicht einmal als Pilgerweg geplant ist, fand ich dieses Buch einfach interessant. Zudem geht es dem Autor nicht vorrangig ums Pilgern, sondern eher um etwas, was er selbst nicht so genau weiß, denn wie heißt es im Buch so schön:

»Warum ich nach Canossa gehe? Das weiß ich noch nicht genau. Aber angeblich soll es dort fabelhafte Tortellini geben.«

Was man an diesem Zitat auch erkennen kann, das Buch hat einen tollen Schreibstil, er fließt einfach nur so dahin, man wird von ihm in gewisser Weise gefangen genommen und kommt eigentlich gar nicht auf die Idee sich groß dabei langweilen zu können. Er ist einfach unterhaltsam. Dazu merkt man, es wird auf jeden Fall auch noch amüsant, denn das Buch ist mit Witz geschrieben, der Autor versteht es auch, ein wenig über sich zu lachen. Noch zu erwarten sind daher natürlich auch einige amüsante Begegnungen, die es auch auf jeden Fall noch geben wird auf seiner Reise, ebenso, wie jedoch auch andere Zusammentreffen, die teilweise auch ein wenig ernster, eventuell auch trauriger sind. Aber genau diese Mischung macht das Buch ehrlich richtig gut.

Die ganzen Menschen, die er unterwegs trifft, deren Ansichten und wie unterschiedlich sie doch sind, haben durchweg etwas Besonderes und werden sowohl mit viel Humor, aber auch mit dem Ernst, den manche Situation begleitet, beschrieben. Und da es sich nicht um einen typischen Pilgerroman handelt, kann ich auch sehr nachvollziehen, dass es die ein oder andere kleine Situation gibt, bei der Gastmann von seinen Füßen auf einen fahrbaren Untersatz ausweicht.

Ein ehrlich gelungenes Buch, das in seinem Charakter den Berichten zum Pilgern ein wenig ähnelt und doch seine ganz eigene Art und Aussage hat.


Fazit


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