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Freitag, 18. November 2016

Rezension ~ Auf glühendem Eis

Allgemeine Informationen zum Roman

Titel: Auf glühendem Eis
Autor: Mike Mateescu
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Emons Verlag
Ersterscheinung: 28. Januar 2016
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3954517809
ISBN-13: 978-3954517800
Genre: Krimi
Reihe: Privatdetektivin Enitta Carigoet
Band: II 

 

Über den Autor

Schriftsteller und Cartoonist Mike Mateescu war schon Werbetexter, Tantiemenjäger und notorischer Schreibtischtäter. Danach verspürte er Lust auf Mord und veröffentlichte 2014 sein Krimi-Debüt 'Mordsfondue'. Er lebt in Zürich-Wiedikon. 


Inhaltsangabe/Klappentext

Sechs Monate nach der Rettung der Zürcher Street Parade laufen die Geschäfte von Privatdetektivin Enitta Carigiet noch immer schleppend. Um ihre Finanzen endlich ins Lot zu bringen, wagt sie sich an die riskante Lösung eines jahrzehntealten Rätsels. Doch die Jagd nach dem grössten Schatz der Schweizer Kunstgeschichte, ruft Gestalten auf den Plan, die zu jeder Gewalttat entschlossen sind.


Rezension/Meinung

Zunächst sehr gewöhnungsbedürftig, aber lange nicht das gewöhnungsbedürftigste an diesem Krimi ist, dass er in Schweizerdeutsch geschrieben ist. An sich zwar zunächst etwas ungewohnt, da es kein ß und manches spezielleres Wort gibt, aber das schafft man locker. Leider musst ich dann schnell feststellen, dass der Krimi nicht nur in Schweizerdeutsch geschrieben ist, sondern auch noch einen sehr seltsamen Slang verwendet, der eine Art Umgangssprache widerspiegeln soll oder auch ähnliches, der das Lesen für mich aber zu einer kleinen Qual hat werden lassen.

Ich musste mich durch den Stil dieses Autors echt durchquälen und das, obwohl ich beim Klappentext dieses Buches noch dachte, dass es nach einer richtig guten Geschichte klingt, denn der Ansatz ist ja eigentlich richtig spannend. Dummer Weise ist es nur in vielen Punkten so unschön umgesetzt, dass das Buch einfach keinen großen Spaß macht. Die Sprache selbst, wie auch der teilweise extrem lange Satzbau machen das Buch für mich einfach extrem unschön zu lesen. Dazu kommt, dass die Protagonistin auch noch ein sehr seltsamer Charakter zu sein scheint.

Neben der Sprache bin ich mit Enitta Carigiet einfach nicht warm geworden. Ihre Arbeitseinstellung und wie sie sich oftmals verhalten hat, habe ich einfach nicht wirklich verstanden. Vor allem auch, wie sie sich in ihrem eigentlichen Job verhält, denn das Ermitteln als Detektiv scheint sie ja eher nur so nebenher zu machen. Zudem sind diese Szenen einfach zu viel, besonders von ihrer Länge, denn mit dem Krimi an sich haben sie nichts zu tun, nehmen aber einiges an Raum ein. Dazu kommt, dass Enitta einfach zu sehr Lebemann ist, es erweckt den Anschein, als sei sie ständig auf Partys unterwegs und hätte es nur auf Spaß abgesehn. Da ist es auch kein Wunder, dass es mit dem Fall nur extrem schleppend voran geht und alle Erkentnisse eher so wirken, als sein sie Enitta zufällig in den Schoß gefallen. Selbst der Fall wird zwar am Ende irgendwie aufgelöst, aber wirklich spannend ist es einfach nicht geworden, konnte es wohl bei der krampfhaften Sprache nicht.

Leider so gar nicht mein Stil und dazu auch noch kein richtiger Krimi, sondern eher eine etwas wirre auf hip gemachte Geschichte, die einen kleinen Krimianteil hat, aber nicht das, was ich erwartet hätte. Schade!


Fazit


Zu gewollt hippe Umgangssprache mit schweizer Lokalkolorit, die das Lesen zu einer Qual macht und dazu noch viel zu wenig Spannung und Ermittlungstätigkeiten für einen guten Krimi.

Kommentare:

  1. Autsch... Als Schweizerin muss ich da mal kurz korrigierend eingreifen: nein, das Buch ist NICHT in Schweizerdeutsch geschrieben! Sondern in dem, was für Schweizer als Hochdeutsch oder Schriftsprache gilt. Ja, das hat vereinzelt eigene Bezeichnungen und eine etwas abweichende Grammatik (beispielsweise eben kein ß), aber es ist nicht Schweizerdeutsch. Und vieles davon gilt für Österreicher übrigens auch.

    Schweizerdeutsch wäre beispielsweise das da:
    "I ha s glichi Gschprööch scho mit vilne Lüt gfüert, aber schibar isch das nit wirklig verschtändlig." oder in einer anderen Dialektform "E ha s dises Gschpröch scho mit mänge Lüt gfüert, aber schibar esch da nöt würklech verschtändlech."
    Na, was verstanden? "Ich habe dieselbe Unterhaltung schon mit vielen Leuten geführt, aber offenbar ist das nicht wirklich vermittelbar(=verständlich, vermittelbar gibt es im Dialekt eig. nicht)."

    Und wenn wir schon dabei sind: DAS Schweizerdeutsch gibt es nicht, jede Region hat ihren eigenen Dialekt. Und die sind teilweise fast so unterschiedlich wie Bayrisch und Plattdeutsch. Wir sprechen deshalb auch nicht von "Schweizerdeutsch", sondern von "Mundart" im Gegensatz zu "Hochdeutsch" oder "Schriftdeutsch".

    So, sorry für die Besserwisserei, aber deine Aussagen zu "Schweizerdeutsch" haben einen Nerv getroffen ;)

    LG (oder liebi Grüessli), Julia

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    1. Also eherlich, die Übersetzung hätte ich nicht gebraucht ;o) Also verstehen kann man das, selbst, wenn man wie ich aus der Ecke mit dem klarsten Hochdeutsch kommt, wie man immer so schön sagt.

      Mag dann vielleicht nicht astrein ausgedrück sein, aber ich meinte, dass man klar merkt, dass das ein Schweizer geschrieben hat, da z.B. "Velo" nie von einem richtigen Deutschen oder Österreicher verwendet werden würde, wie noch so einiges anderes. Das mag halt nicht im Dialekt geschrieben sein, aber doch schon klar nicht in normalem Hochdeutsch. So meine ich das.

      Liebe Grüße,
      Themis ^.^v

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    2. Ich habe schon verstanden, wie du das gemeint hast. Aber das "normale" Hochdeutsch gibt es eigentlich nicht, denn spezifische Eigenbegriffe gibt es überall (wie schon deine Eigenbeschreibung zeigt ;) ). Und bloss (!) weil in einem Text von "Göre" oder "Bulette" die Rede ist, würde noch niemand behaupten, der Text sei in Berliner Dialekt verfasst, denn dazu gehört einfach viel mehr.

      Dass du mein Schweizerdeutsch verstanden hast, ist übrigens gar nicht selbstverständlich. Es gibt inzwischen sehr viele Deutsche, die Dialekt in irgendeiner Form nicht mehr verstehen. Ich habe schon Bayrisch für Norddeutsche übersetzen müssen, was ich dann als "Ausländerin" etwas eigenartig fand ;) Ich finde das auch schade, denn damit geht auch ein Gefühl für die vielfältigen Ausprägungen von Sprache verloren.

      LG, Julia

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